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Das PCO-Syndrom

Das PCO-Syndrom oder Polyzystisches Ovar-Syndrom ist eine komplexe Erkrankung. Diese kann eine Vielzahl von verschiedenen Symptomen und Beschwerden mit sich bringen. Typisch sind eine vermehrte Körperbehaarung, Akne und unreine Haut, Haarausfall, Zyklusstörungen. Auch Probleme, schwanger zu werden sowie Übergewicht bzw. rasche Gewichtszunahme und Schwierigkeiten bei der Gewichtsreduktion zählen den Symptomen des PCO-Syndroms.Wenn Sie mehr erfahren möchten, lesen Sie gerne auch meinen Fachartikel über das PCOS.

Ursachen des PCO-Syndroms
Ob Sie ein PCO-Syndrom entwickeln oder nicht hängt hauptsächlich von der Veranlagung ab. Aus Familienuntersuchungen und genetischen Studien weiß man, dass die Gene eine große Rolle spielen. Wenn Ihre Mutter oder Schwester ein PCOS haben, dann ist auch Ihr Risiko für ein PCOS erhöht. Der Schweregrad des PCOS, das heißt wie hoch die männlichen Hormone sind oder wie ausgeprägt die Zyklusprobleme sind, ist teilweise vom Lebensstil abhängig. Mit zunehmendem Körperfettanteil und mangelnder Bewegung nehmen häufig auch die Beschwerden zu. Umgekehrt führt regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining und das Erreichen (oder Beibehalten) des Normalgewichts (BMI zwischen 20 und 25 kg/m²) zu einer Verbesserung der Beschwerden.

Diagnose des PCO-Syndroms

Um die Diagnose PCO-Syndrom stellen zu können, müssen 2 der 3 folgenden Kriterien erfüllt sein:

  1. Erhöhte männliche Hormone oder klinische Zeichen für einen Testosteronüberschuss
  2. Zyklusunregelmäßigkeiten mit einem fehlenden oder seltenen Eisprung
  3. Viele kleine Zysten in den Eierstöcken (polycystische Ovarien)


Zu Punkt 1: Ob erhöhte männliche Hormone vorhanden sind, kann mittels Hormonstatus abgeklärt werden. Klinische Zeichen für erhöhte männliche Hormone können eine vermehrte Körperbehaarung (Hirsutismus), Akne oder Haarausfall sein.

Zu Punkt 2: Zeichen für einen seltenen oder fehlenden Eisprung kann ein gänzliches Ausbleiben der Regelblutung sein. Aber auch eine lange (mehr als 35 Tage Abstand zwischen den Regelblutungen) oder kurze Zyklusdauer (weniger als 25 Tage Abstand zwischen den Regelblutungen) ist ein Hinweis auf Probleme mit dem Eisprung. Das Führen eines Zykluskalenders kann hilfreich sein. Auch das Beobachten des Zervixschleims kann einen Hinweis auf den Eisprung geben. Der Zervixschleim ist zunächst milchig-trüb und wird in den Tagen vor dem Eisprung immer klarer. Außerdem verändert sich die Konsistenz von klebrig und zäh zu flüssig und fadenziehend. Eine genaue Analyse, ob ein Eisprung vorhanden ist, ist auch mittels LH-Bestimmung im Harn (Streifentest) zuhause möglich.

Zu Punkt 3: Mittels Ultraschalluntersuchung bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt werden die Eierstöcke untersucht und Zysten diagnostiziert. Andere Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen können, müssen vor der Diagnosestellung ausgeschlossen werden. Beispiele hierfür sind u. a. eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion oder eine Prolaktinerhöhung.

Welche Untersuchungen werden bei einer PCOS-Abklärung gemacht?

In meiner Ordination erfolgt zuerst ein ausführliches Gespräch zu Ihrer Vorgeschichte und Ihren Beschwerden. Wenn Sie Vorbefunde haben, v. a. einen gynäkologischen Fachbefund, in dem eventuell vorliegende polycystische Eierstöcke beschrieben werden, bringen Sie diesen bitte mit. Danach erfolgt eine Blutabnahme für den Hormonstatus. Im Rahmen der PCOS-Abklärung bestimme ich nicht nur den Testosteronspiegel, sondern auch die männlichen Hormone der Nebenniere (DHEAS und Androstendion). Das ist notwendig, um in weiterer Folge mit Ihnen gemeinsam einen möglichst individuellen Therapieplan erstellen zu können.

Die Schilddrüse wird routinemäßig ebenfalls abgeklärt. Bei Bedarf führe ich eine Ultraschalluntersuchung durch. Wenn die Diagnose PCOS gesichert ist und zusätzliche Probleme wie z. B. Übergewicht, Gewichtsschwankungen oder Kinderwunsch vorhanden sind, empfehle ich Ihnen die Durchführung eines Zuckerbelastungstest. In diesem Fall müssen Sie nach der Blutabnahme ein Glas mit einer Zuckerlösung trinken. Nach 2 Stunden nehme ich Ihnen nochmals Blut ab. So können sehr frühe Veränderungen bzw. Vorstufen zu einem Diabetes mellitus diagnostiziert werden.

Voraussetzung für eine PCOS-Abklärung ist, dass Sie die Pille für zumindest 6 Wochen absetzen. Nur so kann ein aussagekräftiger Hormonstatus gemacht werden. Außerdem müssen Sie zur Untersuchung nüchtern kommen.
Wenn alle Ergebnisse vorliegen (das dauert 1–2 Wochen), besprechen wir die Ergebnisse in einem Beratungsgespräch und vereinbaren gemeinsam einen weiteren Therapieplan. Wenn notwendig, werde ich weitere Untersuchungen durchführen oder veranlassen.

Folgen von PCOS

Je nach Schweregrad, Alter und Körpergewicht kann ein PCOS unterschiedliche Folgen haben.

Folgen von PCOS für die Fruchtbarkeit:
Durch das (teilweise) Ausbleiben des Eisprunges kann die Fruchtbarkeit reduziert sein.
Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Probleme mit der Empfängnis. Das heißt, die frühe Umsetzung des Kinderwunsches ist ratsam, sofern es die persönliche Lebenssituation zulässt. Wenn es einen Hinweis auf Schwierigkeiten mit dem Eisprung gibt (Ausbleiben der Regelblutung, lange oder kurze Zyklusdauer), sollte eine zeitnahe Abklärung erfolgen. So kann ggf. eine Therapie eingeleitet werden. Auch Über- und Untergewicht in Kombination mit dem PCO-Syndrom haben einen ungünstigen Effekt auf den Eisprung und die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden.

Auswirkungen des PCO-Syndroms auf eine Schwangerschaft:
In der Schwangerschaft kann das Risiko für Fehlgeburten und Komplikationen erhöht sein.
Wenn ein PCO-Syndrom bekannt ist, sollte zeitnah nach dem Bekanntwerden der Schwangerschaft ein Zuckerbelastungstest erfolgen. Durch eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung können Komplikationen meist verhindert werden.

Auswirkungen der Krankheit auf den Stoffwechsel:
Durch die hohen männlichen Hormone und die damit verbundene Insulinresistenz nehmen viele Frauen mit PCOS sehr leicht an Gewicht zu.
Eine Gewichtsreduktion ist oft nur schwer möglich. Aufgrund der hohen männlichen Hormone kommt es häufig zu einer stammbetonten (apfelförmigen) Fettverteilung. Dieses vermehrte Bauchfett führt zu einem erhöhten Risiko für einen Diabetes mellitus.

Folgen des PCO-Syndroms für Haut und Behaarung:
Der Überschuss an männlichen Hormonen führt häufig zu einer ausgeprägten Körperbehaarung im Bereich von Oberlippe, Kinn, Brust, Bauch, Oberschenkel und Rücken.
Auch sehr unreine und fettige Haut sowie Akne sind eine häufige Folge des PCO-Syndroms. Hier erhalten Sie Sie weitere Informationen zu den Auswirkungen für Haut und Behaarung.

Wie kann ein PCOS behandelt werden?

Die Therapie des PCO-Syndroms ist abhängig von den Symptomen bzw. Beschwerden und Ihren individuellen Wünschen. Bei vielen normalgewichtigen Frauen, die nur leichte Zyklusunregelmäßigkeiten und keine Probleme mit Behaarung oder Akne haben, ist keine Therapie erforderlich.
Die Grundlage jeder PCOS-Therapie sind Lebensstilmaßnahmen. Ein normales Körpergewicht (BMI 20 bis 25 kg/m²) und regelmäßige körperliche Bewegung (75 Minuten intensives Ausdauertraining pro Woche oder 150 Minuten moderates Ausdauertraining in Kombination mit 2xwöchentlichem Muskelaufbautraining) sind die Basis in der Behandlung des PCOS.

Behandlung von PCOS bei Zyklusunregelmäßigkeiten

Ein unregelmäßiger Zyklus erfordert nicht zwingend eine Behandlung. Ein Therapieversuch mit pflanzlichen Präparaten wie z. B. Mönchspfeffer (Agnucaston) kann zu einer Verbesserung führen. Die effektivste Therapie ist die Einnahme einer Pille. Allerdings wirkt diese nur für den Zeitraum der Einnahme. Nach dem Absetzen verstärken sich die Zyklusunregelmäßigkeiten häufig für einige Monate. Regelmäßige gynäkologische Untersuchungen sind wichtig unter anderem zur Kontrolle der Gebärmutterschleimhaut.

PCO-Syndrom: Behandlung bei Kinderwunsch

Die Intensität der Abklärung und der Therapieplan sind im Wesentlichen abhängig vom Alter und von der Dauer des unerfüllten Kinderwunsches.

  • Bei einem Alter von >30 Jahren sollte nach spätestens 6 Monaten unerfülltem Kinderwunsch und regelmäßigem ungeschützten Geschlechtsverkehr eine weitere Abklärung und ggf. auch Therapie eingeleitet werden.
  • Wenn Sie unter 30 Jahre alt sind, kann ein Jahr abgewartet werden, bevor eine weitere Abklärung oder Therapie erfolgt.
  • Bei dringendem Kinderwunsch kann selbstverständlich sofort eine Abklärung erfolgen und ggf. auch eine Therapie eingeleitet werden.

Grundlage sind das Führen eines Zykluskalenders und Maßnahmen zur Detektion des Eisprunges (z. B. LH-Streifentest im Harn). Wenn kein Eisprung vorhanden ist, kann dieser z. B. mittels Clomiphen ausgelöst werden. Wenn das medikamentöse Auslösen des Eisprunges (vorerst) nicht gewünscht wird, kann mit nebenwirkungsärmeren Methoden, wie z. B. einer Metformin-Therapie für einige Monate versucht werden, das Zyklusverhalten zu verbessern. Metformin ist ein seit vielen Jahrzehnten in der Diabetes-Therapie verwendetes Medikament, das auch bei Frauen mit PCO-Syndrom positive Effekte haben kann. Der Vorteil ist, dass etwaige Nebenwirkungen sich auf Magen-Darm-Beschwerden (flaues Gefühl, leichte Übelkeit, weicher Stuhl, Bauchschmerzen) beschränken, die meist schnell vorbei gehen. Wenn Metformin nicht vertragen wird oder nicht wirksam ist, kann es jederzeit ohne Probleme abgesetzt werden.

Der Vitamin D-Spiegel sollte bei Kinderwunsch ebenfalls bestimmt werden, da der Vitamin D-Mangel sich ungünstig auf den Eisprung und die Einnistung der befruchteten Eizelle auswirkt. Je nach Vitamin D-Spiegel empfehle ich Ihnen eine optimale Vitamin D-Dosis, um den Mangel möglichst rasch und sicher auszugleichen.

Hashimoto tritt bei Frauen mit PCOS häufiger auf. Darum erfolgt immer eine Schilddrüsenabklärung und bei Bedarf das Einleiten einer Schilddrüsenhormonsubstitution.

Therapie bei vermehrter Behaarung (Hirsutismus) und Akne

Die wirksamste Therapie bei vermehrter Behaarung und Akne ist eine Pille, die antiandrogen wirksam ist. Diese Pillen enthalten ein antiandrogen wirksames Gestagen (wie Drospirenon oder Dienogest) und haben einen relativ niedrigen Ethinylestradiolgehalt (z. B.: Yasminelle® oder Valette®). Wenn Sie keine Pille einnehmen wollen, sollten zuerst lokale Maßnahmen ausgeschöpft werden. Hier kann Ihnen ein/e DermatologIn weiterhelfen. Sollte dies nicht zum Erfolg führen und der Leidensdruck groß sein, kann auch eine nichthormonelle Therapie mit Spironolacton eingeleitet werden. Dieses Medikament wird „off-label“, das heißt außerhalb der ursprünglich festgelegten Indikation, eingesetzt. Es gibt aber bereits eine Vielzahl von Untersuchungen, die zeigen, dass Spironolacton zu einer Verbesserung der vermehrten Behaarung führt, wenn die Einnahme einer Pille nicht gewünscht wird oder nicht möglich ist. Auf eine sichere Verhütung muss unter dieser Therapie geachtet werden.

Therapie bei Übergewicht

Die Grundlage der Therapie sind Lebensstilmaßnahmen. Bei Problemen mit der Gewichtsreduktion kann eine professionelle Ernährungsberatung hilfreich sein. Bei großen Problemen mit der Ernährungsumstellung, wenn Heißhungeranfälle häufig sind oder wenn das Essverhalten problematisch ist (Essen als Belohnung), kann in manchen Fällen eine psychotherapeutische Unterstützung wichtig sein. Eine Empfehlung für einen konkreten Diättyp gibt es nicht. Generell empfiehlt sich eine mediterrane Ernährungsform und das Konzept des „intuitiven Essens“. In manchen Fällen, vor allem wenn schon Vorstufen zu einem Diabetes mellitus vorhanden sind (Insulinresistenz, Prädiabetes), kann auch eine Metformintherapie sinnvoll sein.
Ich berate Sie gerne bei einem persönlichen Termin!

Rolle der Pille in der Therapie des PCOS

Die Pille ist eine symptomatische Therapie. Diese führt zu einem regelmäßigen Zyklus und zu einer meist deutlichen Verbesserung des Hautbildes und der vermehrten Körperbehaarung. Nach dem Absetzen der Pille treten die ursprünglichen Beschwerden meist zeitnah wieder auf, manchmal sogar ausgeprägter als vor der Pilleneinnahme. Darüber hinaus ist die Einnahme der Pille neben einem gewissen Thromboserisiko häufig mit anderen Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme oder Stimmungsschwankungen verbunden. Es ist daher eine individuelle Entscheidung, ob Sie die Pille einnehmen möchten oder nicht. Aus endokrinologischer Sicht ist die Einnahme der Pille jedenfalls nicht notwendig.
Ich berate Sie gerne bezüglich alternativer Therapiekonzepte in einem persönlichen Termin!

PCOS: Rolle des Lebensstils?

Mit zunehmendem Körpergewicht und vor allem Körperfettanteil steigt der Spiegel der männlichen Hormone. Daher nehmen auch die Beschwerden mit Zyklusunregelmäßigkeiten, eingeschränkter Fruchtbarkeit, vermehrter Behaarung und Akne zu. Umgekehrt führt eine Gewichtsreduktion häufig zur Verbesserung der Zyklusprobleme und auch zu einem Rückgang der Körperbehaarung sowie zu einer Verbesserung des Hautbildes. Die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden ist deutlich höher, wenn Ihr Gewicht im Normbereich liegt und Sie einen gesunden Lebensstil mit regelmäßiger körperlicher Bewegung haben.

Ernährung bei PCO-Syndrom

Eine gesunde ausgewogene Ernährung ist die Grundlage für das hormonelle Gleichgewicht. Im Wesentlichen sollten Sie sich an der Ernährungspyramide orientieren. Für spezielle Diätformen gibt es aktuell keine Evidenz. Wir untersuchen derzeit in unserer DIPO-Studie, ob der vermehrte Konsum von Milch, Joghurt und Sojajoghurt günstige Effekte während der Gewichtsreduktion hat. Wenn Sie Interesse an der Teilnahme an meiner Studie an der Medizinischen Universität Graz haben, kontaktieren Sie gerne meine Study Nurse Barbara Luegger.

Vitamin D-Mangel bei PCOS

Ein Vitamin D-Mangel ist beim PCOS mit Zyklusstörungen, eingeschränkter Fruchtbarkeit, Übergewicht und Stoffwechselveränderungen verbunden. Die Vitamin D-Supplementierung kann sich bei Frauen mit PCOS günstig auf das Zyklusverhalten und den Stoffwechsel auswirken. Diese positiven Effekte konnte ich unter anderem in meiner vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Studie nachweisen.

Ich empfehle Ihnen daher, wenn Sie ein PCOS haben, Ihren Vitamin D-Spiegel bestimmen zu lassen. Gerne können Sie dies in meiner Ordination durchführen lassen.Ich berate Sie bzgl. der optimalen Vitamin D-Dosis in einem persönlichen Termin.

Ich bin für Ihr Anliegen da!

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